{"id":17556,"date":"2022-04-27T09:21:45","date_gmt":"2022-04-27T07:21:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.maiwald.eu\/?post_type=maiwald-blog&#038;p=17556"},"modified":"2022-04-27T09:21:46","modified_gmt":"2022-04-27T07:21:46","slug":"uwg-n-f-e-mail-werbung-und-fliegender-gerichtsstand","status":"publish","type":"maiwald-blog","link":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/maiwald-blog\/uwg-n-f-e-mail-werbung-und-fliegender-gerichtsstand\/","title":{"rendered":"UWG n.F. \u2013 E-Mail-Werbung und fliegender Gerichtsstand"},"content":{"rendered":"\n<p>In einem ungewohnt offen ausgetragenen Konflikt zwischen dem Landgericht und dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf hinsichtlich der Auslegung des <strong>Ausnahmetatbestands des \u00a7&nbsp;14 Abs. 2, S. 3 Nr. 1 UWG<\/strong> (vgl. die Beitr\u00e4ge hierzu vom&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.maiwald.eu\/aktuelles\/maiwald-blog\/article\/uwg-nf-rettung-des-fliegenden-gerichtsstandes-gescheiterter-versuch-des-lg-duesseldorf\/\">25. Februar 2021<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.maiwald.eu\/maiwald-blog\/uwg-nf-fortdauernder-streit-um-den-fliegenden-gerichtsstand\/\">24. Juni 2021<\/a>) scheint sich das Oberlandesgericht nun doch der Auffassung des Landgericht D\u00fcsseldorf anzuschlie\u00dfen, und bejaht \u2013 zumindest im konkreten Fall \u2013 eine <strong>teleologische Reduktion <\/strong>dahingehend, dass Zuwiderhandlungen in oder mittels E-Mail nicht unter den Begriff des \u201eTelemediums\u201c im Sinne der vorgenannten Vorschrift fallen (Urteil v. 27. Januar 2022, Az. 20 U 105\/21).<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst hatte das Landgericht D\u00fcsseldorf seine \u00f6rtliche Zust\u00e4ndigkeit bejaht und den Antragsgegnern untersagt, im gesch\u00e4ftlichen Verkehr, zu Zwecken des Wettbewerbs an Dritte per E-Mail Werbung f\u00fcr Produkte eines Versicherungsvermittlers \/ -maklers ohne vorherige ausdr\u00fcckliche Einwilligung oder wenn dies nach dem Ausnahmetatbestand des \u00a7 7 Abs. 3 UWG nicht als unzumutbare Bel\u00e4stigung anzusehen ist zu versenden. Das Landgericht D\u00fcsseldorf sah seine Zust\u00e4ndigkeit insbesondere nicht nach <strong>\u00a7&nbsp;14 Abs. 2, S. 3 Nr. 1 UWG ausgeschlossen,<\/strong><strong> da der geltend gemachte Unterlassungsanspruch nicht an ein wettbewerbswidriges Verhalten im elektronischen Rechtsverkehr oder Telemedien ankn\u00fcpfe, sondern an die Bel\u00e4stigung durch die Nutzung des elektronischen Rechtsverkehrs.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die <\/strong><strong>zul\u00e4ssige Berufung wurde durch das Oberlandesgericht als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen<\/strong><strong>. Erg\u00e4nzend f\u00fchrt das Oberlandesgericht zur Zust\u00e4ndigkeit u<\/strong>nter Verweis auf die unklare Legaldefinition des Begriffs \u201eTelemedien\u201c des \u00a7 1 TMG und der Gesetzesbegr\u00fcndung zum Elektronischen-Gesch\u00e4ftsverkehr-Vereinheitlichungsgesetz (BT-Drs. 16\/3078, 13) aus, dass Werbe-Mails zwar als Telemediendienst anzusehen sind. Ungeachtet dessen, <strong>dass<\/strong><strong> <\/strong>im Streitfall <strong>keine Zuwiderhandlung in Telemedien, sondern <u>durch<\/u> Telemedien<\/strong> erfolgt sei, \u00e4u\u00dferte das Oberlandesgerichts auch Zweifel, ob dieses Telemedium \u00fcberhaupt von der Vorschrift des \u00a7 14 Abs. 2 Nr. 3 Nr. 1 UWG erfasst ist. E-Mails seien, anders als beispielsweise Online-Angebote, die von jedermann und \u00fcberall abgerufen werden k\u00f6nnen, regelm\u00e4\u00dfig nur an einen bestimmten Empf\u00e4ngerkreis gerichtet, ohne, dass f\u00fcr diesen erkennbar sei, an welche anderen Empf\u00e4nger sich diese richtet, sodass den potentiellen Antragstellern von vornherein auch nicht eine Vielzahl an Gerichtsst\u00e4nden offensteht. Dies rechtfertigt nach Ansicht des Oberlandesgerichts jedenfalls eine teleologische Reduktion dahingehend, <strong>dass Zuwiderhandlungen in oder mittels E-Mail nicht unter den Begriff des \u201eTelemediums\u201c <\/strong>im Sinne von\u00a7 14 Abs. 2, S. 3 Nr. 1 UWG fallen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Anwendungsbereich des \u00a7 14 Abs. 2, S. 3 Nr. 1 UWG ist weiterhin umstritten. Mit der vorliegenden Entscheidung hat die einschr\u00e4nkende Lesart des \u00a7 14 Abs. 2, S. 3 Nr. 1 UWG durch das Landgericht D\u00fcsseldorf zumindest im konkreten Fall auch Zustimmung durch das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf gefunden. In der Praxis ergibt sich hieraus trotz der Gesetzes\u00e4nderung ein weiterer Anwendungsfall f\u00fcr die Auswahl eines f\u00fcr den Antragsteller vermeintlich g\u00fcnstigen Gerichtsstandortes (sog. fliegender Gerichtsstand). Es bleibt abzuwarten, ob sich weitere Instanzgerichte diesem Verst\u00e4ndnis der Vorschrift anschlie\u00dfen werden.<\/p>\n","protected":false},"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-17556","maiwald-blog","type-maiwald-blog","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/maiwald-blog\/17556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/maiwald-blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/maiwald-blog"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/maiwald-blog\/17556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17569,"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/maiwald-blog\/17556\/revisions\/17569"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.maiwald.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}